Das beste Bike bringt wenig, wenn das Fahrwerk falsch eingestellt ist!
Eine Federgabel und ein Dämpfer sollen Unebenheiten ausgleichen und dafür sorgen, dass dein Fahrrad oder E-Bike auch auf anspruchsvollen Strecken sicher und kontrolliert bleibt.
Zu hart, zu weich, zu langsam oder zu schnell – schon kleine Änderungen können das Fahrverhalten deutlich beeinflussen.
Doch wie viel Luftdruck ist richtig? Welcher SAG sollte eingestellt werden und was macht eigentlich die Zug- oder Druckstufe? FaFit24 klärt dich auf!
Fahrwerks-Setup für Fahrräder / E-Bikes im Detail:
- Die wichtigsten Begriffe kurz erklärt
- Mountainbike Fahrwerk richtig einstellen
2.1 Vorbereitung deines E-/Bikes
2.2 Richtigen Luftdruck ermitteln
2.3 Zugstufe einstellen
2.4 Druckstufe einstellen
2.5 High-/Low–Speed-Druckstufe

1. Wichtigste Begriffe kurz erklärt
Bevor du mit dem Einstellen von Federgabel und Dämpfer beginnst, solltest du die wichtigsten Begriffe kennen. So bekommst du einen Überblick, welche Funktion die einzelnen Einstellungen haben!
Luftdruck
Der Luftdruck bestimmt bei einem Luftfahrwerk maßgeblich, wie hart oder weich Federgabel und Dämpfer arbeiten. Ein höherer Luftdruck sorgt für ein strafferes Fahrwerk und mehr Unterstützung, während ein niedrigerer Luftdruck das Fahrwerk weicher und komfortabler macht.
Zugstufe/Rebound
Die Zugstufe bestimmt, wie schnell Federgabel oder Dämpfer nach dem Einfedern wieder ausfedern.
Ist diese zu schnell eingestellt, kann sich das Fahrrad unruhig anfühlen. Bei einer zu langsamen Einstellung federt das Fahrwerk nach Unebenheiten zu träge zurück und kann bei aufeinanderfolgenden Schlägen zunehmend absacken.
Druckstufe/Compression
Die Druckstufe beeinflusst, wie stark sich Federgabel oder Dämpfer beim Einfedern gegen die Bewegung wehren. Eine stärkere Druckstufe sorgt für mehr Unterstützung und kann beispielsweise beim Bremsen, in Kurven oder bei starken Belastungen hilfreich sein.
Eine zu hohe Druckstufe kann das Fahrwerk allerdings unnötig hart machen und den Komfort sowie die Traktion verringern.
SAG
SAG steht für „Sag“ (Static Sag) und beschreibt, wie weit das Fahrwerk allein durch dein Körpergewicht einfedert.
2. Fahrwerk richtig einstellen
Die Arbeitsschritte für das perfekte Fahrwerks-Setup bleiben grundsätzlich immer gleich – ganz egal, ob du ein Downhill-Bike oder ein Cross-Country-Fahrrad fährst.
2.1 Vorbereitung deines E-/Bikes
Schritt 1:
Alle Lockout-Funktionen lösen!


Schritt 2:
Zug und Druckstufen komplett öffnen!

2.2 Richtigen Luftdruck ermitteln
Die Einstellung solltest du immer im fahrfertigen Zustand vornehmen. Fährst du beispielsweise regelmäßig mit einem schweren Rucksack, solltest du diesen bei der Messung ebenfalls tragen.
Jetzt kannst du den Luftdruck anhand der Position deiner Gummiringe (O-Ring) ablesen:

Als Richtwert gilt:
Federgabel: ca. 20–25 % SAG
Dämpfer: ca. 25–30 % SAG
Du musst also selbst nachmessen und das Verhältnis zum Gesamtfederweg ausrechen.

Über 30 %: Luft nachpumpen
Unter 20 %: Luft ablassen
Um an das Ventil zu gelangen schraubst du die Verschlusskappe deiner Gabel oder des Dämpfers ab
Für die Einstellung benötigst du eine Dämpferpumpe. Beim Ablassen der Luft solltest du zunächst nur etwa 10 PSI reduzieren und anschließend erneut messen. So kannst du dich schrittweise an den gewünschten Wert herantasten.

Du hast keine Dämpferpumpe? Kein Problem Fafit24 hat alles an Fahrradzubehör!
Jetzt sollte im Idealfall alles passen!
Sollte der Wert noch nicht stimmen, wiederhole den Vorgang, bis du den gewünschten SAG erreicht hast.
Je nach Mountainbike-Typ und Einsatzbereich kann der optimale SAG variieren:
Enduro/Downhill: etwa 30 % SAG an der Gabel und ca. 30–35 % am Hinterbau

Marathon-Fullys/Cross Country: eher straff abgestimmt ca. 20% SAG

2.3 Zugstufe einstellen
Die Zugstufe wird bei vielen Federelementen über ein Drehrad eingestellt:


Federgabel
- Komprimiere die Gabel im Stand so weit es geht
- Lasse die Gabel anschließend ausfedern
Hebt der Reifen dabei vom Boden ab, ist die Zugstufe zu schnell eingestellt.
Stelle die Zugstufe so ein, dass der Reifen beim Ausfedern gerade noch den Bodenkontakt behält.
Gehe dabei nach dem Prinzip vor:
So schnell wie möglich und so langsam wie nötig
Dämpfer
Auch beim Dämpfer sollte die Zugstufe so eingestellt sein, dass der Hinterreifen beim Ausfedern des Hinterbaus den Bodenkontakt nicht verliert.
2.4 Druckstufe einstellen
Die Druckstufe lässt sich je nach Federelement individuell einstellen.
Viele Federgabeln haben ein stufenverstellbares Compression–Einstellrad:

2.4.1 High-/Low-Speed-Druckstufe
Bei einigen Modellen steht zusätzlich eine High-/Low-Speed-Druckstufe zur Verfügung.

High-Speed-Druckstufe
Die High-Speed-Druckstufe (HSC) beeinflusst das Fahrwerk bei sehr schnellen Einfederbewegungen.
Typische Situationen sind:
- Wurzelfelder
- schnell aufeinanderfolgende Steine
- harte Kanten
- harte Landungen
- schnelle Schläge bei hohem Tempo
Das Fahrwerk schlägt durch?
Wenn das Fahrwerk bei harten Schlägen oder Landungen zu stark durch den Federweg geht, kann mehr High-Speed-Druckstufe für zusätzlichen Support sorgen.
→ Druckstufe erhöhen (+)
Das Fahrwerk fühlt sich zu hart an?
Wenn das Bike bei schnellen Schlägen unkomfortabel wird und schlecht über Wurzeln und Steine hinwegrollt, kann die High-Speed-Druckstufe zu straff eingestellt sein.
→ Druckstufe reduzieren (–)
Low-Speed-Druckstufe
Die Low-Speed-Druckstufe (LSC) wirkt vor allem bei langsamen Einfederbewegungen. „Low Speed“ bedeutet dabei nicht, dass du langsam fahren musst. Es geht um die Geschwindigkeit, mit der sich das Fahrwerk bewegt.
Sie beeinflusst beispielsweise:
- Veränderungen der Körperposition
- Anliegerkurven
- Absprünge
- langsame Fahrwerksbewegungen
Mehr Low-Speed-Druckstufe gibt dem Fahrwerk mehr Support.
Mehr Support gewünscht?
Zum Beispiel, wenn du in Anliegerkurven mehr Druck aufbauen möchtest oder das Bike beim Absprung stärker unterstützt werden soll:
→ Low-Speed-Druckstufe erhöhen (+)
Das Fahrwerk soll sensibler reagieren?
Wenn sich das Bike zu straff anfühlt oder kleine Bewegungen nicht sauber aufnimmt:
→ Low-Speed-Druckstufe reduzieren (–)
Starte mit vollständig geöffneter Druckstufe, damit die Gabel möglichst frei und weich arbeitet.
Fahre deine Teststrecke und erhöhe die Druckstufe in kleinen Schritten, bis die Gabel genügend Support bietet.
Drehe die Low-Speed-Druckstufe zunächst komplett heraus.
Drehe die Low-Speed-Druckstufe anschließend ungefähr ein Drittel hinein und taste dich von dort an die passende Einstellung heran.
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